Schon ihre allererste Regiearbeit war eine Wucht und schaffte es auf Anhieb in die offizielle Auswahl nach Cannes: La naissance des pieuvres (2007) – ein Coming-of-Age-Film über drei Mädchen vor dem Hintergrund eines Wasserballett-Trüppchens. Das Script dafür hatte die 1978 geborene Céline Sciamma zum Abschluss ihres Filmstudiums mit Fokus Drehbuch verfasst, als man ihr nahelegte, den Film selbst zu inszenieren, obwohl sie keinerlei Regieerfahrung, ja bislang nicht einmal einen Kurzfilm gedreht hatte.
La naissance des pieuvres erzählt authentisch, mit selten gesehener Intensität und fern jeglicher Stereotype vom Aufwachsen dreier fünfzehnjähriger Mädchen in einem Vorort von Paris: in Pontoise, wo Céline Sciamma selbst gross geworden ist. Zu den dreien gehören die schöne Floriane, der Star des Synchronschwimmgrüppchens, frühreif, umschwärmt von allen Jungs und entsprechend beneidet von den anderen Mädchen; die staksige Marie, die unausgesprochen in Floriane verknallt ist und unbeirrt ihren Weg einer Annäherung geht, auch wenn Floriane sie einzig als «beste Freundin» wahrnimmt. Und schliesslich die pummelige Anne, die alles tut, um bei den Jungs zu landen – viel zu enge Jeans anzieht, Stossgebete zum Himmel schickt oder den BH im Garten ihres Schwarms in einer Art Vodooritual vergräbt. Es geht ums erste Mal, um Körper und Körperwahrnehmung, um Anziehung, Liebe, Freundschaft. Es geht um die ersten Schritte ins Erwachsenenalter – wo Glück und Grausamkeit so nah beieinanderliegen, Hochgefühle neben Verzweiflung, Albernheit neben Abgeklärtheit. Es geht um Erotik, Sex – und ums Anderssein. Die offen lesbische Sciamma weiss, wovon sie spricht.[...]
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