Mitten im Grün eines aufgeschossenen Maisfelds. Der Dschungel füllt randvoll die Leinwand; man fühlt sich gleich unwohl. So könnte ein Thriller anfangen. Zittern die Blätter im Wind oder unter dem Motorenlärm, wenn es im Hintergrund plötzlich flackert? Da brechen schon laut die Stauden und fallen in Reihe unter der kolossalen Schneidewalze, deren Konturen durchs Bild pflügen. Der Maschinenlärm entfernt sich, ebbt ab bis in die Stille, die Leinwand wird blassgrau, die Stimme des Filmemachers situiert aus dem Off: «Nadrensee, Mecklenburg-Vorpommern, 29. Juni 1992». Filmtitel: Revision. Was ist da geschehen?
Fakten werden geliefert: Erntearbeiter finden in einem Feld nahe der polnisch-deutschen Grenze zwei tote Körper. Als sie im Dorf Alarm schlagen wollen und zurückschauen, steht das Feld in Flammen. Derlei evoziert ja nicht weniger als ein mächtiges Kinobild. Ein Kinobild, so erzählt Philip Scheffner, das sich ihm im Gedächtnis festgesetzt, dort jahrelang geschlummert und schliesslich zum Anfang eines wirklichen Films gedrängt habe.

Philip Scheffner spielt offensichtlich gerne mit Kinoreferenzen, kommt aber eigentlich von anderswoher. 1966 in Hamburg geboren und seit 1986 in Berlin lebend, arbeitet er bis zur Jahrtausendwende mit seinem Kollektiv dogfilm für das Fernsehen der grossen Privatsender RTL und SAT1, die lizenzmässig verpflichtet sind, in den Randstunden private Magazine in redaktioneller Unabhängigkeit auszustrahlen – ein Magazintummelplatz zum Beispiel für Videokunst mit politischer Ambition. 2001 Gründung der Produktionsfirma pong mit seiner ständigen Mitarbeiterin, Autorin und Produzentin Merle Kröger. 2007 der erste von bisher fünf Langfilmen: The Halfmoon Files, der schliesslich auch an der Berlinale gezeigt wird.
Dort sei ihnen – Scheffner erklärt sich als Autodidakt – die Bedeutung des Raums im Film erst wirklich klar geworden: zum einen des Kinoraums, in dem eine Menge Leute konzentriert im Dunkeln ihr Erlebnis teilen, dann aber auch des filmischen Leinwandraums an sich. An der Etablierung dieses doppelten Raums laboriert er seither immer neu, immer neugierig darauf, was dieser Raum denn in Bezug auf sein Thema alles sein, evozieren, leisten könne, was nicht, und mit welchem Effekt auf uns, das Publikum, und dann vor allem auch auf den Status seiner Protagonist_innen…
Den ganzen Essay können Sie weiterlesen in der Printausgabe von Filmbulletin.
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