«Life», das legendäre amerikanische Magazin, bereitet seine letzte Printausgabe vor. Frame 25 soll das letzte Titelbild sein, das letzte Bild im letzten Bildstreifen, den Sean O’Connell schickte, der Fotograf, der dem Blatt die schönsten Motive geliefert hat und der, immer wenn man ihn an einem Ort zu finden hoffte, schon wieder unterwegs zum nächsten war. Fotografie als die Kunst der Evasion. Frame 25 fehlt im Bildstreifen, als er bei «Life» ankommt. Walter Mitty im Fotoarchiv ist dafür verantwortlich.
Walter Mitty, erfunden von James Thurber im Jahr 1939, erstmals verkörpert 1947 von Danny Kaye, neben Virginia Mayo und Boris Karloff. Die Neuverfilmung war erst mit Jim Carrey geplant. Nun ist es Ben Stillers Film geworden, er führt Regie und spielt Walter Mitty, den Tagträumer, der gern in heldenhafte Fantasy-Eskapaden flüchtet und schüchtern die Kollegin Cheryl verehrt. Er macht sich auf die Suche nach Sean O’Connell und dem Geheimnis von Frame 25.

Ein Zenfilm von Ben Stiller, melancholisch und meditativ, wie Antonioni. «Länger hinzusehen als verlangt», schrieb Roland Barthes zu Antonioni, «bringt jede bestehende Ordnung durcheinander, dahingehend, dass normalerweise die Dauer eines Blicks von der Gesellschaft kontrolliert wird: daher rührt, sobald ein Werk dieser Kontrolle entwischt, der skandalöse Charakter gewisser Fotografien und gewisser Filme: nicht der schamlosesten oder kämpferischsten, sondern einfach der “bedächtigsten”.»
Am Ende findet Walter Sean im Gebirge, die Kamera aufgebaut, er will den legendären Schneeleoparden abfangen. Das Tier taucht wirklich auf, es kommt zum Blickwechsel, und darin manifestiert sich die Wahrheit des filmischen Blicks, in der Dialektik von Evidenz und Evasion.