Der angekündigte Höhepunkt, während der Festivalwoche in Stadt und Land breitflächig beworben, lief in Saarbrücken erst ganz zum Schluss. Am Sonntagabend war in privaten Stuben und öffentlichen Lokalen im deutschsprachigen Raum der neue Saarbrücker Tatort zu sehen. Da der Ausstrahlungstermin mit dem letzten Tag des Max-Ophüls-Festivals zusammenfiel, wurde das TV-Event mit dem Titel Das Ende der Nacht praktischerweise flugs zum Festivalfilm umgedeutet und als Vorpremiere schon am Freitag gezeigt.
Zur Kino-Premiere des TV-Films war auch die Berner Schauspielerin Sabine Timoteo nach Saarbrücken gereist. Zusammen mit Jungstar Lena Urzendowsky hält sie als Mutter-Tochter-Delinquentinnen-Paar das vor allem mit sich selbst beschäftigte Kommissaren-Trio mächtig auf Trab. Regie im arg konstruierten und langfädig erzählten neuen Tatort des Saarländischen Rundfunks führte die Münchnerin Tini Tüllmann.
Sabine Timoteo spielte zudem Rollen in zwei Wettbewerbsfilmen im Programm des Ophüls-Festivals. Im deutschen Film Chaos und Stille von Anatol Schuster ist sie eine Mietshausbesitzerin, die ohne Anlass ihr Hab und Gut verschenkt und aufs Flachdach ihres Wohnblocks zieht, zum Unverständnis ihrer Nachbarn wie des Publikums. Und die Schauspielerin gehört zum Cast von Les Courageux von Jasmin Gordon, dem Film, der bereits an Festivals von Toronto über Zürich und Solothurn auf positives Echo stiess.
Preise gewonnen haben zum Abschluss aber zwei andere Schweizer Filme. Die Hauptjury vergab den Preis für die Beste Regie wie auch für das Beste Drehbuch an Bagger Drama von Piet Baumgartner. Der Regisseur, der seinen Spielfilm gleichentags an den Filmtagen vorstellte, schaltete sich mit einem witzigen Videolink aus Solothurn in die Preisverleihung.
Schliesslich vergab die Jugendjury ihren Hauptpreis an die schweizerisch-US-amerikanische Krimi-Komödie Sew Torn von Freddy Macdonald, die im Sommer auf der Piazza Grande in Locarno schon für Begeisterung und Lacher gesorgt hatte.
Deutschsprachiger Nachwuchsfilm
Im Saarland, dem kleinsten deutschen Bundesland, das erst 1957 der BRD beitrat, verfügt die SPD über die absolute Mehrheit und stellt alle Regierungsmitglieder. Drei der sieben Ministerien werden von Frauen geführt, auch das Präsidium. Das Nachwuchs-Filmfestival Max-Ophüls-Preis ist der grösste Kulturanlass der Hauptstadt Saarbrücken, in der ebenfalls die SPD stärkste Partei ist.
Zwei Dinge sind augenfällig beim MOP, dem Max-Ophüls-Preis, benannt nach dem 1902 in Saarbrücken geborenen jüdischen Namensgeber, der mit Filmen wie Der Reigen und Lola Montez zu internationaler Bekanntheit gelangte: Die Heterogenität des Programms und die aufgeschlossene, inkludierende Haltung der Veranstaltenden.

Alle Preisgewinner am Ophüls-Festival 2025
In zwei Wettbewerben mit je etwa einem Dutzend Beiträgen vorwiegend aus Deutschland, aber auch aus Österreich und der Schweiz, soll – so das erklärte Ziel der Programmverantwortlichen – die ganze Bandbreite des deutschsprachigen Nachwuchsfilmschaffens, das im Vorjahr entstanden ist, abgebildet werden. Der MOP ist also gewissermassen das Solothurn Deutschlands, nur dass eben auch einige Filme aus Österreich und der Schweiz eingeladen sind.
Hoher Frauenanteil
So steht beim Spielfilm grosses Kino wie etwa die formal kreative und äusserst phantasiereiche Geschichtslektion Rote Sterne überm Feld von Laura Laabs – der klare Höhepunkt im Wettbewerb – einem ärgerlichen Nonvaleur wie etwa Nulpen von Sorina Gajewski gegenüber. Beide Filme wurden als Uraufführung gezeigt.
Auch im Dokumentarfilmwettbewerb war die qualitative wie stilistische Bandbreite denkbar gross. Sie reicht von filmkünstlerisch herausragenden und politisch relevanten Kinofilmen wie To Close Your Eyes And See Fire von Nicola von Leffern und Jakob Carl Sauer oder Noch lange keine Lipizzaner von Olga Kosanovic, beide aus Österreich, bis zu Michael Schwarz’ Der Tod ist ein Arschloch aus Deutschland, eine Art Werbespot für ein Bestattungsinstitut.
«Wir zeigen bewusst die ganze Bandbreite vom Schulabschlussfilm bis zur grossen Kinoproduktion, diese Heterogenität ist gewünscht und gewollt», so Svenja Böttger, die künstlerische Leiterin des Festivals. Ebenso gewollt ist der hohe Anteil von Frauen und People of Color bei den künstlerischen Disziplinen der eingeladenen Filme; er liegt in den Wettbewerben bei den erwünschten 50%.
Die Festivalleitung ihrerseits besteht in allen Abteilungen so gut wie ausschliesslich aus Frauen. Zudem ist das Festival durchgehend inklusiv und veröffentlicht im Katalog zu den Filmen eine ausgiebige Liste von Sensibilitätshinweisen. Die Schlussveranstaltung mit der Preisverleihung wurde – eine Selbstverständlichkeit in Saarbrücken – von zwei Gebärdendolmetscherinnen mitmoderiert.