Mitten im Baseballtraining hält Takuya (Keitatsu Koshiyama) inne und blickt entzückt in den Himmel, von dem sanft die ersten Schneeflocken fallen. Ein schüchterner und stotternder Träumer, dem es sichtlich nicht liegt, mit anderen Jungs einem Ball hinterherzurennen. Vielmehr verzaubert ihn die Anmut der gleichaltrigen und ambitionierten Eiskunstläuferin Sakura (Kiara Nakanishi), die – eingefangen ohne Angst vor Kitsch oder Klischee im goldenen Licht der Abendsonne – in Slow-Motion ihre Pirouetten dreht.
Statt weiter zum Hockey zu gehen, versucht Takuya sich zögerlich am Eislauf. Während es ihm wackelnd nicht gelingt, Sakura zu beeindruckend, fällt er ihrem Trainer Arakawa (Sōsuke Ikematsu) auf, der sein Talent erkennt und ihn unter seine Fittiche nimmt. Schnell entspinnt sich eine zarte Freundschaft, in die Sakura aufgenommen wird, als Arakawa die beiden scheuen Teenager als Paar für einen Eistanz-Wettbewerb trainiert.

Sakura (Kiara Nakanishi) und Trainer Arakawa (Sōsuke Ikematsu) beim Eislaufen. Bild: First Hand Films
Gerade als das Wintermärchen mit freudigem Tollen im Tiefschnee bei strahlendem Wetter, immer wieder unterlegt von Debussys Mondscheinsonate, seinen Höhepunkt an unerklärlicher Übersentimentalität erreicht hat, tut sich doch noch eine tiefere Ebene auf. Es sei My Sunshine hoch angerechnet, dass die Beziehung von Arakawa und seinem Partner und das damit einhergehende gesellschaftliche Tabu in der Provinz einer japanischen Insel eben nicht mit Karacho einschlägt, sondern ebenso sanft und selbstverständlich erzählt wird. Nur wird es leider nicht von allen Figuren auch so aufgenommen.
Regisseur-Autor-Kameramann Hiroshi Okuyama gelingt mit My Sunshine eine leise, in Pastelltöne getauchte Coming-of-Age-Geschichte über die Wichtigkeit von Vorbildern und Akzeptanz inmitten konservativer Normen.