Dynamisch und verträumt steigt La fille de son père mit einem Schnelldruchlauf jugendlicher Entwicklung und Liebe ein. Das zweite Spielfilmprojekt von Erwan Le Duc ist eine farbenfrohe Tragikomödie mit einem leichtem Hauch von Absurdität. In einer Zeit der Camcorder und Demonstrationen in Paris treffen Etienne und die Liebe seines Lebens aufeinander. Bald darauf das gemeinsame Kind. Das unbeschwerte Glück ist aber von kurzer Dauer und die frischgewordene Mutter Valérie verlässt ihre Familie still und unerwartet.
Etienne, Unbeantwortetes verdrängend, zieht Rosa im Haus seiner Eltern gross. Der Fokus der Geschichte liegt aber nicht auf diesem Prozess. Der Film setzt an dem Punkt wieder ein, an dem Rosa erste Schritte in die eigene Unabhängigkeit gemacht hat. Aufgezogen zur Selbstliebe, zur Selbstständigkeit und einem soliden Sinn für sich selbst wurde sie von ihrem Vater bereits für die Zukunft gewappnet. Nun ist sie in vielerlei Hinsicht erwachsener als er.
Zum ersten Mal erhält der noch immer rastlose Etienne die Möglichkeit, sich seinem Frust zu stellen. Denn bisher lief, eilt, sputete er durchs Leben. Aktiv nach Antworten suchen zu dürfen, bringt alten Schmerz hervor. Aber auch die Möglichkeit, einen Schlussstrich ziehen zu können. Nahuel Pérez Biscayarts faszinierende Performance verleitet zum berührten Schmunzeln. Genauso die sturen Augen von Céleste Brunnquell.

© Frenetic Films
La fille de son père überzeugt mit seinen Dialogen, die Emotionales unvermittelt ansprechen. So fragt die kleine Rosa, ob Etienne ihre Mutter geliebt hätte. Er bejaht, doch hält er daran fest, dies nicht mehr zu tun. Seine klaren Worte: «L’absence n’est pas un sentiment».
Für Verlust und Katharsis ist Raum, einer innigen Auseinandersetzung mit allzu negativen Gefühlen scheint der Film dann doch aus dem Weg zu gehen. Vielleicht aus Angst, der Komik des Films etwas abzusprechen. Versehen mit Momenten überraschenden Slapsticks zeichnet La fille de son père seine Figuren mit viel Humor. Auch die von Etienne trainierte Amateur-Fussballmannschaft, die sich zu klassischer Musik choreografiert aufwärmt, wird zärtlich-humorvoll beobachtet.
Die charmanten, liebevollen Figuren Etienne und Rosa teilen sich ihren sturen Optimismus. Gegen Ende zeigt der Film Mut zu grossen Schritten aus dem etablierten Setting, während die Verbindung zur restlichen Geschichte etwas entgleitet.
La fille de son père zeigt, was es heisst, sich trotz humorvollem Lebensglück nach Antworten zu sehnen. Eine harmonische, wohlwollende Perspektive, von deren Ecken und Kanten man sich zum Schluss doch mehr Greifbares gewünscht hätte.