In einem actiongeladenen Trailer aus dem Jahr 2015 propagiert die unterdessen bankrott gegangene NGO Mars One ihr Vorhaben zur Kolonisierung des roten Planeten mit folgenden Worten: «Our future cannot be confined to earth. We must explore and look up to Mars. Who has what it takes? To colonize Mars?» Vergleichbares sagte auch Elon Musk, als er 2016 die Marspläne seiner Raketenfirma SpaceX vorstellte: «One path is we stay on Earth forever, and then there will be some eventual extinction event […]. The alternative is to become a space-faring civilization and a multi-planet species […].»

Zwei Dinge fallen auf: Erstens, wie wenig diese Darstellungen mit den reellen Möglichkeiten heutiger Raumfahrt zu tun haben. Zweitens, wie fest sie sich der Konventionen des Science-Fiction-Films und der -Literatur bedienen. Nicht nur ist der Mars um ein Vielfaches lebensfeindlicher als selbst der letzte Flecken der Erde, seine bleibende Besiedlung ist auch in finanzieller Hinsicht kaum durchführbar. Dennoch wird uns das Leben im Weltraum nicht nur versprochen, es wird uns auch als einzige denkbare Zukunft verkauft: Wenn «wir» langfristig überleben wollen, müssen «wir» uns in den Weltraum ausbreiten. Obwohl die Kolonisation des Weltraums bereits Mitte der 2020er-Jahre beginnen soll, geht es also eigentlich um eine Zukunft, die so weit entfernt ist, dass sie nur erzählte Fiktion sein kann. Mit anderen Worten: Nicht wissenschaftlich-technische Prognose, sondern Romanze ist das Genre, in dem uns die Story der Weltraumkolonisation hier entgegentritt. Dabei steht diese Erzählung nicht nur in Komplizenschaft mit dem zeitgenössischen Science-Fiction-Kino, sie steht genau wie dieses auch in einer langen Tradition politisierter Astrofiktion, die eng mit der Geschichte des Kolonialismus verwoben ist …
Den ganzen Essay können Sie in der Printausgabe von Filmbulletin lesen: Ausgabe 7/2018 bestellen