Filmbulletin Print Logo
Lockruf des Kinos Kurz Belichtet Kinoplakate

Kinoplakate

«Da meine Honorare weit über dem Durchschnitt lagen, wurde ich nur zu Spitzenfilmen herange-zogen», resümierte Josef Fenneker 1947. Was auf den ersten Blick etwas überheblich klingen mag, hat durchaus seine Berechtigung.

Text: Frank Arnold / 05. Okt. 2022

Wer sich mit der deutschen Filmplakatkunst der frühen Weimarer Republik beschäftigt, stösst unweigerlich auf den Namen des Grafikers, der mit seinem expressionistischen Stil auffiel.

1895 geboren, studierte er ab 1918 an der staatlichen Lehranstalt des Kunstgewerbemuseums in Berlin. Seine Entscheidung für Filmplakate begründete er 1935: «Aus dem lebendigen Wesen des Films sind in hohem Masse die Möglichkeiten gegeben, Fantasie und Farben an-zuwenden, um Plakate von grossem Reiz und frappierender Eigenart zu schaffen, ja solche, die kaum vergessen werden können.»

Wo heute Filmplakate meist auf Fotos zurückgreifen, lieferten diese für Fenneker lediglich Inspirationen, mit deren Hilfe er «die Idee des jeweiligen Films gestaltete und das Wesentliche herausarbeitete.» Den fertigen Film vorab zu sehen, war ihm nur in Ausnahmefällen vergönnt, die Arbeit geschah unter Zeitdruck, zwischen 1918 und 1924 schuf er 140 Plakate für das Marmorhaus am Kurfürstendamm.

Auch das ist eine neue Information, die diesem Buch zu entnehmen ist: die Exklusivität seiner damaligen Arbeiten, ausschliesslich für ein Kino, ein Premiumkino, wie man heute sagen würde, seinerzeit «das renommierteste Filmtheater Berlins», 1913 eröffnet, mit Eintrittspreisen, die erheblich über den normalen lagen, Kino für ein wohlsituiertes Stammpublikum. Auf den Plakaten stand jedes Mal auch der Name des Kinobetreibers, als Markenzeichen, dass hier für gutes Geld Spitzenfilme geboten wurden. «Der hohe Wiedererkennungswert seiner Filmplakate sicherte dem Marmorhaus Stammkundschaft», schreibt Harald Neckelmann – das Filmplakat als Teil einer corporate identity.

Die Konzentration auf das Marmorhaus hatte allerdings ihren Preis: Nachdem dessen Betreiber seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte und das Kino den Besitzer wechselte, musste sich Fenneker umorientieren – durch Arbeit als Gebrauchsgrafiker und Pressezeichner, später als Bühnenbildner, was auch nach 1945 sein Tätigkeitsfeld war.

1956 starb Fenneker an einem Herzschlag. Nach 34 Seiten Text sind die restlichen 170 Seiten den, oft ganzseitigen, Abbildungen von Fennekers Plakaten der Jahre 1918–24 vorbehalten – eine Augenweide.

Harald Neckelmann: Lockruf des Kinos. Der Plakatkünstler Josef Fenneker. Schüren Verlag, 208 S., CHF 52 / EUR 34

Dieser Artikel ist in der Printausgabe Nr. 5/2022 erschienen. Stöbern Sie in unserem Ausgabenarchiv.

Weitere Empfehlungen

Kurz belichtet

08. Aug. 2022

Das Star-Wars-Universe: Eine unendliche Geschichte

Mit der Übernahme von Lucasfilm durch Disney 2012 wurde das Star-Wars-Universum massiv ausgebaut, was dem Franchise mit neuen Kinofilmen, Merchandising, Animationsfilmen und vor allem TV-Serien wie The Mandalorian oder Obi-Wan Kenobi neue Fans besorgt und alte erfreut.

Kurz belichtet

16. Aug. 2022

Farbenspiele

Wenn im Historienfilm die Vergangenheit vor dem Kino als Geschichte in Details und Farbe wieder aufersteht; wenn historisches Material nachkoloriert, found footage ins
Fiktionale integriert oder aufwändig digital reanimiert wird, dann sind das Herausforderungen für Geschichts- und Bildtheorien zugleich.

Kurz belichtet

10. Aug. 2022

Kompakter gehts nicht

Informationen zu einzelnen Filmen findet man viele im Netz, Zusammenhänge schon weniger. Eine neue Buchreihe verspricht, diese herzustellen.